Wofür steht FACT-Karbon, was bedeuten die Zahlen?

Wofür steht FACT?
FACT bedeutet „Functionally Advanced Composite Technology“.

Was bedeutet die FACT-Zahl?
Wenn du innerhalb einer Produktfamilie weiter nach oben gehst, zum Beispiel von einem Comp zu einem Pro oder S-Works, wirst du feststellen, dass die Konstruktionsmethoden und Rohrformen meist identisch sind, wir aber einen andere Faserbelegung verwenden, um das Bike bei gleicher oder höherer Performance leichter zu machen. Durchschnittlich lassen sich bei einem 56er Rahmen etwa 120 bis 200 Gramm rein durch die Verwendung von Karbonlagen mit einem höheren Modulus-Wert sparen. Dies ist möglich, da bei HM-Karbon weniger Material verwendet werden kann, ohne Einbußen bei Steifigkeit und Festigkeit hinnehmen zu müssen. Dies spiegelt sich auch im Preis nieder, denn beispielsweise ist eine HM-Faser drei- bis viermal so teuer wie eine Standard-Faser. Mit der FACT-Zahl steigt nicht nur der Modulus-Wert, sondern es nimmt auch die Komplexität des Produktionsprozesses zu.

Unsere FACT-Struktur kann als „sehr gut, noch besser, am besten“ bezeichnet werden. Quer durch alle Produktfamilien hindurch stellt der Wert „11r“ oder „11m“ für den jeweiligen Einsatzbereich die beste Zusammensetzung aus Material und Formungsverfahren dar; allerdings kann sich diese Zusammensetzung von Familie zu Familie entsprechend der Zielsetzungen ändern (z.B. basieren sowohl das S-Works Tarmac als auch das S-Works Roubaix auf FACT 11r, sie verfügen aber über einen anderen Lay-Up-Plan, um die jeweilige Charakteristik zu erhalten).
Übrigens: Das „r“ nach der FACT-Zahl steht für „road“, bei MTBs kennzeichnet  ein „m“ die Faserbelegung; bei MTBs spielt für die Zahlen-Angabe auf dem Hauptrahmen  auch das Material des Hinterbaus eine Rolle (M5 Aluminium, M5 Aluminium + FACT Karbon, FACT Karbon).

Faser-Typen
Ein Rahmen besteht immer aus mehreren Karbonfaser-Typen, um die gewünschten Eigenschaften in bestimmten Bereich optimal zu erreichen (Steifigkeit, Zugfestigkeit, Aufnahme von Kräften aus wechselnden Richtungen, vertikale Nachgiebigkeit, Schlagschutz etc.). Ein Rahmen lässt sich z.B. nicht rein aus HM-Fasern bauen, denn nur durch einen ausgeklügelten Mix und durchdachte Entwicklung lassen sich herausragende Fahreigenschaften, hohe Belastbarkeit und lange Haltbarkeit vereinen.

Unidirektionale Fasern
Normalerweise arbeiten wir praktisch ausschließlich mit undirektionalen Fasern (UD), heißt, die Fasern einer Lage verlaufen in die gleiche Richtung, denn Karbonfasern arbeiten zur Kraftaufnahme am besten in linearer Richtung. UD-Fasern werden also immer so ausgerichtet, dass sie die jeweiligen Kräfte effizient aufnehmen können; UD-Fasern geben dem Rahmen seine strukturelle Festigkeit.
Gewebe-Lagen (90°, 45°)
Sie entstehen, wenn Faserbündel, sogenannte, rovings, z.B. in einem 45° oder 90° Winkel miteinander verflochten werden. Ein Roving besteht aus mehreren Tausend Einzelfasern (z.B. 3k = dreitausend Einzelfasern).
Alle oberflächlichen Gewebe-Lagen dienen entweder der gleichmäßigen Optik oder dem Schlagschutz; sie addieren etwas Gewicht, sind aber für die strukturellen Eigenschaften nicht notwendig, weswegen wir beim Rennrad bzw. generell bei wenig beanspruchten Stellen auf äußere Gewebe-Lagen verzichten; man findet sie z.B. an Klemmstellen, im Tretlager oder um Öffnungen innen zu verstärken. Beim MTB dienen sie dem Schutz vor äußerer Beanspruchung, etwa am Unterrohr.

Optik der UD Fasern

Aufgrund der unterschiedlichen Lagen/Orientierung, des Harzes, der Oberflächenbehandlung des Rohlings nach dem Formen sowie der Lichtbrechung kommt es zu einer wechselnden Oberflächenoptik, die der individuelle Fingerabruck eines Rahmens ist. Würden wir eine Gewebematte aufbringen, würden wir zwar eine gleichmäßige Optik generieren, dafür aber Gewicht addieren und keine zus. Festigkeit schaffen. Gewebematten finden sich nur an besonders ausgesetzten Stellen (v.a. MTB) sowie bei Klemmflächen, Öffnungen etc. Zudem hängt die Sichtbarkeit der UD-Faserbelegung immer auch von der Lackierung ab. Es gibt Lackierungen, die die UD-Schicht sichtbar lassen.


Die Specialized-Philosophie
Unsere Ingenieure legen großen Wert darauf, alle FACT-Rahmen optimal auf den jeweiligen Einsatzbereich und die damit verbundenen Ansprüche abzustimmen.
An oberste Stelle stehen optimale Fahreigenschaften für ein unvergleichliches Fahrerlebnis. Ebenso oberste Priorität genießen Sicherheit und Haltbarkeit. Aus diesem Grund werden alle Belastungstests unter wesentlich härteren Bedingungen durchgeführt als vorgeschrieben. Das Gewicht ist keine unwichtige Größe, aber gemäß Specialized-Philosophie werden Fahreigenschaften oder Sicherheit nie zugunsten eines noch geringeren Gewichts aufgegeben.

Haben Sie Fragen? Anfrage einreichen

0 Kommentare

Zu diesem Beitrag können keine Kommentare hinterlassen werden.